Internationale Projekte

Ein Krankenhaus in Afghanistan

Wir unterstützen das Chak-e-Wardak Hospital

Text und Bilder: Edeltraut Döbler

 

Durch die Anschläge des 11. September 2011 wurde Frau Schefter und ihre Arbeit einer größeren Anzahl von Menschen bekannt. Und seit dieser Zeit fördert unserer Club ihre Arbeit.

Chak-e-Wardak ist ein Ort mit deutscher Geschichte. Schon 1919 wurden dort deutsche Interessen vertreten. Es steht ein ehemals, 1930, von Deutschen betriebenes Wasserkraftwerk in dem Ort, als Karla Schefter – eine deutsche Fachkrankenschwester für den Oparationsdienst – den Ort 1987 erstmals auf ihren Reisen besucht und eine Art 'medizinischer Versorgung' für die kriegsgeschädigte Bevölkerung in einem Turbinenraum des Kraftwerks organisiert.

Seit dieser Zeit gehört der Krieg zum Alltag der afghanischen Bevölkerung und er war sowohl in den Städten als auch auf dem Land zu spüren. Nach dem Einmarsch der Sowjetunion 1979 kämpften die von den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien finanzierten Mudschaheddin gegen die Besatzer und die von ihnen gestützte Regierung.

Eine medizinische Versorgung – mit oder ohne Kriegshandlungen – war in der ganzen Region nicht vorhanden. Die beobachtete Not zu linden war der Antrieb von Frau Schefter als sie nach langen Verhandlungen mit den örtlichen Taleban (anfangs ohne direkten Blickkontakt gegenübersitzend und durch eine spanische Wand getrennt) ihre humanitäre Arbeit begann.

Schon die in der Turbinenhalle des Wasserkraftwerks 1989 errichtete erste Krankenstation wies eine Abteilung für Frauen und Kinder auf – eine bis heute bestehende Besonderheit. Frau Schefter versuchte die Einrichtung und die Versorgungsmaterialien durch ihre alten OP-Kontakte zu organisieren, musste aber feststellen, dass dies kein guter Weg war und von Afghanistan aus zudem nur sehr schwer zu organisieren und zu realisieren ist. Sie kam zurück nach Deutschland und organisierte ein ehrenamtliches Komitee aus 3 Personen für die Spendensammlung und -verwaltung.

Frau Schefter unterbrach im Winter ihren Aufenthalt in Afghanistan und hielt vor Interessierten Vorträge über das Leben in Afghanistan und die „Klinik“. Sie kann ausgezeichnet erzählen und hat in den Jahren in denen sie dort Sommers wie Winters gelebt hat einen ausgezeichneten Einblick in das (kärgliche) afghanische Leben gewinnen können.

In über 25 Jahren entwickelte sich – auch mit deutschen Spendengeldern finanziert – durch Afghanen in traditioneller Bauweise errichtet das heutige „Klinikgelände“ mit einem Frauen- und Kinderhospital, einem Männer und Jungenhospital, Wäscherei, Bäckerei, Vorratsräumen, einer Ambulanz, einer Röntgen- und OP-Abteilung, einem Impfzentrum, einem kleinen Labor und einer Zahnpraxis.

Nicht zu vergessen sind die Wohnhäuser für die dort tätigen Ärztinnen und Ärzte. Besonders an letzterem hängt eine ganze Familie, ohne die die Ärztin nicht tätig sein könnte. Aktuell ist auch der Unterricht für die Kinder der Beschäftigten ein wichtiges Angebot, das die Menschen bewegt in Chak zu arbeiten und nicht in die Hauptstädte zu ziehen.

Die medizinische Versorgung der Landbevölkerung erfolgt kostenfrei, ebenfalls eine Besonderheit. Woher sollten die Menschen die ungebildet und ohne Arbeit im Hinterland leben Geld für ihre Behandlung beschaffen? Diejenigen, die stationär aufgenommen werden, werden von Ihren Angehörigen pflegerisch versorgt. Die Angehörigen arbeiten darüber hinaus für die Klinik (ausladen, wegräumen, aufräumen, putzen, etc.) und erhalten dafür 3 mal am Tag Tee und Fladenbrot. Bei guter Versorgungslage (Finanzlage) angereichert mit einer täglichen Portion Linsenbrei.

Die ambulant versorgten Patienten (z.B. Durchfallerkrankungen und Verbrennungen von Frauen und Kindern) erhalten ihre Medikamente oder ihre Behandlung nachdem sie an einer aktuellen Gesundheitsschulung teilgenommen haben.

Für die afghanische Landbevölkerung in der Provinz Wardak (und darüber hinaus) ist das humanitäre Angebot dieser Klinik durch nichts zu ersetzen.

Frau Schefter und ihre afghanischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben es geschafft das die Klinik seit ihrer Gründung als unabhängig und überparteilich wahrgenommen wird. O-Ton: „Wir sind medizinische Partei und sonst nichts“

 

Abschließend eine Kurzbeschreibung der Klinik:

  • C.P.H.A. - Comitee zu Förderung medizinischer und humanitärer Hilfe in Afghanistan
  • Finanzierung: 100% durch Spenden; 75% von Privatpersonen; 25% durch Serviceclubs, Schulen, Kirchen; darüber hinaus projektbezogene Kooperationen (z.B. für Impfkampagnen)
  • Ausrichtung: unabhängig, überparteilich, kostenlos für alle Patienten; Gemeinütziges Krankenhaus der humanitär-medizinischen Entwicklungshilfe
  • Ziele:
    • Nachhaltige Gesundheitsversorgung der regionalen Bevölkerung in der Provinz Wardak
    • Kompetenzentwicklung und Bildung des Personals
    • Separate Versorgung von Frauen und Kindern
    • Gesundheitsförderung und -entwicklung in der Bevölkerung.
    • Nur Einsatz lokaler, heimischer Arbeitskräfte.
  • Personal:
    • ca. 40 zur med. Versorgung: 8 Ärzte, je 1 Zahnärztinnen und Gynäkologin, 4 Apotheker, 3 Laboranten, 1 Röntgenassistent, 4 multifunktional tätige Krankenschwestern u. Hebammen, 6 Krankenschwestern, 9 Pfleger, 3 Impfassistenten, med. Hilfskräfte
    • 36 Personen allgemeines Personal: Administration, Lehrerin, Bäcker, Köche, Wäscher, Fahrer, Wächter
  • Gesamtanlage des Hospitals:
    • 40 stationäre Betten
    • Frauen und Kindertrakt; 20 stationäre Betten 
    • Männertrakt
    • regionales Impfzentrum (Tetanus, Masern, Kinderlähmung) 8000 p.a.
    • Verschiedene Räume für die ambulante Versorgung mit EKG- und Ultraschallgerät ausgestattet
    • OP-Abteilung, Röntgenraum, Zahnklinik, Apotheke und Med. Lager
    • Labor: BB, Urin, Hepat., TB, HIV; Malaria, TB, ... 
    • Bäckerei, Küche, Wäscherei, Müllverbrennungsofen, eigener Brunnen, Solaranlage, Generator, Wohntrakt für das Personal, betriebsinterne Schule, Schutzraum um Gelände.
  • Häufigste Behandlungsfälle:
    • Kriegs- und Mienenverletzung, Verbrennungen,
    • Durchfallerkrankungen und Infektionen (besonders bei Kindern),
    • Gynäkologische Fälle, Normale und Risiko- Schwangerschaften,
    • Unterernährung, Anämie, TB, Typhus, Malaria, Rheuma, Wurmerkrankungen, Schlaganfälle
  • Leistungsdaten: Jährlich ca 85.000 Patienten davon 75% Frauen und Kinder.

 

Stipendium

Wir fördern eine junge Studentin aus Damaskus, die ihr Studium in Syrien aufgrund des Krieges nicht fortführen konnte. Mit unserer Hilfe kann sie nun zusätzliche Deutschkurse und Kurse belegen.


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